Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.



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Tramp for Jesus 2014
 

Eben noch schauten wir bei 300 km/h aus dem TGV, drängten uns in die ohnehin überfüllte Pariser Métro, suchten uns einen Sitzplatz im blauen 82er Bus. Nun wandert der Pilgerzug, in welchem ich mich wiederfinde, lachend und schwatzend, betend und singend auf den dünn besiedelten Strassen im Norden Frankreichs. Dem Kreuz, das uns als Zeichen Jesu Christi vorangeht, folgt diese bunte und fröhliche Gesellschaft junger Menschen. Sie verzichten 12 Tage lang auf jeglichen Komfort, tauschen Handy und Handtasche gegen Rosenkranz und Rucksack, nehmen die Strapazen einer langen Fusswallfahrt auf sich und opfern dafür sogar zwei Ferienwochen. Manch einer würde das eine Verrücktheit nennen. Wir haben einen besseren Namen dafür. Wir nennen es «Tramp for Jesus».
Unsere Reise beginnt in Rouen bei der mutigen Kämpferin und französischen Nationalheldin Jeanne d’Arc und führt uns nach Lisieux zur unscheinbaren Kirchenlehrerin, der kleinen Thérèse vom Kinde Jesu. Zusammen mit den seligen Louis und Zélie Martin begleiten sie uns auf dem rund 180 Kilometer langen Weg. Bei schönstem Wetter – und das ist im Norden Frankreichs ja alles andere als selbstverständlich – folgen wir der Route entlang der Seine, durchqueren kleine Dörfer auf dem warmen Asphalt, schlagen uns durch Dornengestrüpp und irren ein wenig in den Wäldern umher. Manch einer kämpft mit der Müdigkeit, dem Knie oder mit den Blasen an den Füssen. Und doch, wo man auch hinsieht, erblickt man nur zufriedene Gesichter, lächelnde Lippen, strahlende Augen. Abends in der Runde vergessen wir die Anstrengungen des Tages und laben uns an den Köstlichkeiten aus der Tramperküche, bevor wir bis zum nächsten Morgen in unsere Zelte verschwinden.
Unterwegs treffen wir auf viele Menschen, die uns besonders in Erinnerung bleiben werden: Ein Landwirt, der an einem heissen Tag unsere Trinkflaschen füllt. Der Archivar in Lisieux, der uns voller Engagement mit dem Leben der kleinen Thérèse und den Kirchen in Lisieux vertraut macht. Ein sterbenskranker Mann, der zu uns trotz seiner Krankheit, trotz der grossen Mühe, die es ihn kostet, über die Liebe spricht und uns alle tief beeindruckt.
Die schönste Begegnung ist für mich aber diejenige mit der kleinen Thérèse selber. Nach unserer Ankunft in Lisieux verharren wir einen kurzen Moment an ihrem Grab. Ihr Reliquienschrein trägt die Inschrift: «Ich will meinen Himmel damit verbringen, auf der Erde Gutes zu tun.» Ich denke zurück an die vergangenen Tage und danke der kleinen Thérèse, dass sie hält, was sie verspricht.

Mathias Blarer

 
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